Ein Square Dance-Urlaub mit kleinen Hindernissen

                                        - Reisebericht von Hartmut & Lydie Heiber–

  

Bild von Lydie und Hartmut

Wie schon oft wollten wir in den Herbstferien mal wieder andere Tapeten sehen und daneben auch ein paar Square Dance Clubs besuchen. Die erste Hälfte der Ferien bot sich dazu an, zumal auch noch der Feiertag des 3. Okt. (Tag der Deutschen Einheit) am Freitag in dieser Woche lag. So suchten wir uns eine schöne Gegend in Deutschland aus, wie wir dies meist tun, um Touristisches, Erholung und Tanzen miteinander zu verbinden. Die Wahl fiel diesmal auf den Rhein-Main-Raum, und zwar den östlichen Teil, auch bekannt unter dem Namen Bayerisch Rhein-Main, wo die Konzentration der Clubs ziemlich hoch ist, von denen wir etliche noch nicht besucht hatten. Im westlichen Rhein-Main-Gebiet und um Frankfurt herum waren wir bereits ein paarmal gewesen.


Wir fanden eine schöne, preisgünstige Ferienwohnung in Michelbach einem Dort und Ortsteil der Stadt Alzenau, welches die letzte westliche Ecke von Unterfranken und damit des Freistaats Bayern darstellt. Von hier konnten wir die reizvolle Gegend des Vorspessarts erkunden, waren aber in nicht wenigen Minuten Autofahrt auch in Hessen, beispielsweise gab es nur 15 km bis nach Hanau zu fahren.

Wir hatten es so eingerichtet, dass das von uns gebuchte A2-Wochenende der „Triangle Squares“ in Olpe (Südsauerland) direkt vor diesem Urlaub lag, so konnten wir nach dem A2-Tanzen am Sonntagmittag direkt in den Urlaub starten und waren auch in knapp zwei Stunden über die A 45 von Olpe nach Alzenau am Zielort angekommen. Der Koffer war in der Ferienwohnung schnell ausgepackt, und es ging gleich wieder los, denn es erwarteten uns am selben Tage noch zwei Clubbesuche in der Gegend. Dies ist relativ selten möglich, und wir hatten es bisher erst zweimal in unserer 20jährigen „Tanzkarriere“ erlebt, einmal 1994 in Portland, OR (USA), wo es zwei Clubs gab, die am selben Tag nacheinander tanzten, und ein andermal vor zwei Jahren, als wir in Hessen einen Club besuchten, der am Sonntagmorgen um 11 Uhr sich traf; anschließend ging es weiter zu einem rheinland-pfälzischen Club, der nachmittags tanzte, wobei wir den Besuch beider durch keine allzu lange Autofahrt gut miteinander verbinden konnten. Im jetzigen Falle lagen beide Sonntagsclubs ca 5 km voneinander entfernt, und die Zeiten waren so günstig, dass wir auch beide besuchen konnten. Um 16 Uhr ging es los bei den „Kinzigtaler Funny Squares“, einem noch jüngeren Club in Niedermittlau nahe Hanau, von unserem Ferienort ca 10 km entfernt. Dort war zufällig das diesjährige „Open House“ angesetzt, so dass wir in den Genuß eines „Clubnachmittags“ kamen. Es waren leider nur 3 Interessenten da, mit denen und den Clubmitgliedern wir ganz nett tanzen konnten, aber fast hätten wir den Weg zum Tanzort nicht gefunden, da es sich um ein Gemeinschaftszentrum in der alten Schule des Ortes handelte, das vom offiziell angegebenen Zugang nicht zu erkennen war. Erst nach Umrunden des Hauses fanden wir die Tänzer, die wohl auf uns warteten. Der Nachmittag war recht freundlich, die Präsidentin feierte ihren Geburtstag und gab plattenweise Apfel- und Zwetschgenkuchen an alle aus, und auch der Kaffee war dort umsonst. Ansonsten war der Club eher als klein zu bezeichnen, wie wir später erfuhren eine Abspaltung des Nachbarclubs „Barbarossa Promenaders“ Gelnhausen, die wir anschließend ab 18 Uhr im Nachbarort Lützelhausen besuchten. Auch hier gab es ein Hindernis, denn die angegebene „Spessartstraße“ war zwei- oder sogar mehrfach in der Gesamtgemeinde vorhanden, und unser Navigator gab uns den falschen Ort an. Aber letztendlich war der Abend noch sehr nett. Bei unserer Ankunft tanzte bereits die laufende Class, und anschließend ging es mit dem Clubabend (Mainstream) weiter, wo Keith Haigh, ein Caller der alten Schule, der aus Manchester stammt und der noch mit Plattenspieler und Schallplatten ausgerüstet ist, mit seiner schönen Singstimme die zwei Squares bewegte und begeisterte. Eine Afterparty im Schankraum des Wirtshauses, wo wir im Saale getanzt hatten, bildete den Abschluß, und so fuhren wir zufrieden und müde nach dem ausgedehnten Tanztag nach Hause.

Wir hatten am Abend bei den „Barbarossa Promenaders“ noch Karin, eine Tanzfreundin, wiedergetroffen, die uns für Montag zu einer Privatführung durch ihre Heimatstadt Gelnhausen und anschließendem Kaffeeplausch einlud, was wir gern annahmen. So ging es am Nachmittag in Richtung Gelnhausen, auch wieder vom Urlaubsort schnell erreichbar, und wir genossen eine sachkundige und ausgedehnte Führung durch diese Stadt, die durch ihre Kaiserpfalz aus dem 12. Jahrhundert, die Kaiser Friedrich Barbarossa bauen ließ, und durch die herrliche Marienkirche berühmt ist. Aber auch die intakte Altstadt mit ihren vielen Fachwerk- und Steinhäusern aus den früheren Jahrhunderten hat uns gut gefallen.

Nach dem Kaffeetrinken bei Karin mussten wir aber wieder aufbrechen, denn ein Clubbesuch bei den „Squeezing Seahorses“ in Rödermark erwartete uns, und wir hatten noch ca 30-40 km zu fahren, was aber über die gut ausgebauten Autobahnen des Rhein-Main-Gebietes kein Problem war. Wir planen unsere Clubbesuche immer vorher und stellen fest, ob der Club tanzt. Meist wird auch per e-mail Kontakt aufgenommen, und die meisten Ansprechpartner antworten relativ schnell, so dass man sich auf den Clubabend verlassen kann. In diesem Falle war der Tanzort gewechselt worden, was ja bei jedem Club schon mal vorkommt. Wir hatten dennoch Probleme bei der Ankunft, denn in der Turnhalle waren nur Tischtennisspieler anzutreffen, die von keinem Square Dance wussten. Wir wollten bereits wieder gehen, da erschienen draußen auf der Straße Tänzer, die man ja meist an mitgeführten Petticoats (und an den spezifischen Aufklebern auf Autorückseiten) erkennt, und wir stellten fest, dass der Clubabend in einem Raum im ersten Stock stattfindet. Der Caller erschien auch bald, und es wurde noch ein erfreulicher Abend mit vielen Gästen aus Frankfurt. Ansonsten hätte dieser kleine Club wohl nur mit einem Square tanzen können.

Am nächsten Tage – es war der Dienstag – wanderten wir am Vormittag an unserem Aufenthaltsort und fuhren nachmittags nach Hanau, um diese Stadt zu besichtigen. Hanau ist ebenfalls eine alte Stadt, leider wurde im Kriege die Altstadt zum großen Teil zerstört, so dass man zwar den Grundriß noch gut erkennt, aber viel alte Bausubstanz nicht mehr existiert. Dennoch sind etliche historische Gebäude wieder errichtet worden, und auch das Schloß Philippsruhe und das Wilhelmsbad, eine Kuranlage des 18. Jahrhunderts außerhalb der Stadt, sind besichtigenswert. Das Wetter an diesem Tage war regnerisch, so dass wir froh waren, bald ins Trockene zu unserem geplanten Clubbesuch bei den „Hanau Golden Squares“ zu kommen. Auch hier lief eine Class, die nach vier Wochen Unterricht schon ziemlich fit war. Caller Jack Kirchgatter callte bereits relativ schwierige Kombinationen und lobte die Students, wobei zu sagen ist, dass der Altersdurchschnitt hier ziemlich niedrig lag. Anschließend beim Clubabend heizte er uns mit schwieriger und abenteuerlicher Choreographie ziemlich ein, und wir taten unser bestes, um am Ball zu bleiben.

Der Clubbesuch am Mittwoch sollte ein wenig entfernter sein, und es war tatsächlich der einzige Clubabend, den wir im Freistaat Bayern, d.h. in Unterfranken, verbrachten. Daher hatten wir vorgesehen, die Stadt Aschaffenburg zu besuchen, weil dies auf dem Wege zum Tanzort lag. Aschaffenburg ist eine schöne Stadt und Mittelzentrum in Unterfranken, und wir besuchten das gewaltige Renaissanceschloß der früheren Mainzer Erzbischöfe und die beeindruckende Stiftskirche aus dem Mittelalter, am meisten gefiel uns jedoch das Pompejanum, ein Nachbau einer römischen Villa aus Pompeji aus dem 19. Jahrhundert, das mit möglichst originalgetreuen Räumen und interessanten Erläuterungen aufwartete.

Zum Tanzort in Mömlingen waren noch einige Kilometer zu fahren, aber wir erreichten den Tanzort rechtzeitig. Wir waren recht früh da, und noch sah man keine Tänzer. Bei unserer Rückkehr zum Auto trafen wir den Caller Martin Laufer, der direkt neben uns parkte. Er war aber schnell wieder verschwunden, jedoch war auch am Tanzort im Wirtshaus niemand zu sehen, der Bescheid wusste. Der Wirt selber gab uns die Information, dass heute kein Square Dance sei, obwohl wir eine e-mail-Nachricht bekommen hatten, dass getanzt würde. Es ist übrigens der Plus-Abend der „Day Dreamers“, die normalerweise in Gross-Umstadt wöchentlich MS tanzen. Ein Telefonanruf bei der Kontaktadresse gab auch keine Klarheit, aber plötzlich tauchten eine Tänzerin und auch der Caller wieder auf, und es konnte losgehen. Nach einigem Umräumen und Stühlerücken im oberen Saale waren genügend Tänzer und Tänzerinnen vorhanden, es wurde dann noch ein netter Abend mit ca 14 Tänzern und allerhand schwierigen Herausforderungen. Wir hörten dann, dass dieser Club am nächsten Tage mit 60 Mitgliedern in einem Bus nach Prag fahren wollte, daher war die Planung ein wenig durcheinander geraten.

Am Donnerstag, dem 2. Oktober, hatten wir vorgehabt, das örtliche Special „Hanauer Doppel“ zu besuchen, das bis vor kurzem von den beiden Hanauer Clubs veranstaltet wurde, jetzt waren aber die „Hanau Golden Squares“ aus der Organisation ausgestiegen, und die „Petticoat Flippers“ sind alleinige Veranstalter. Da wir aber noch eine Unterschrift in unserem Friendship Book haben wollten, überlegten wir uns kurzfristig, noch einen Clubbesuch zu machen, zumal am Donnerstag die „Rodenbacher Square Dancers“ in Rodenbach, einem weiteren Nachbarort unseres Aufenthaltsortes, am Abend tanzten. Nach unserer morgendlichen Wanderung in Michelbach besuchten wir am Nachmittag das Hanauer Schloß Philippsruhe, das herrliche Prachträume zeigt, die im 19. Jahrhundert im Stile des Historismus hergerichtet worden waren. Außerdem war gerade eine außergewöhnliche Ausstellung über Spinnen zu sehen, nicht zu vergessen das naturwissenschaftliche Museum im Obergeschoß. Auch der gut gepflegte Schloßpark ist einen Besuch wert. Anschließend besuchten wir noch das nicht weit entfernt liegende Wilhelmsbad, eine historische Kuranlage des 18. Jahrhunderts mit Kurgebäuden und einem großen Kurpark. Dann ging es wieder über die Autobahn nach Rodenbach, wo wir auch einen anderen Tanzort als den üblichen ansteuerten, denn dieser Club tanzte an diesem Abend im Bürgerhaus, nicht weit vom normalen Ort entfernt, was wir glücklicherweise vorher erfahren hatten. Vor dem Clubabend war wieder die Class aktiv, und anschließend hatten wir noch mal das Vergnügen, Caller Keith Haigh zu genießen, den wir bereits am Sonntagabend gehört hatten und den wir bereits seit 18 Jahren kennen. Der Tanzraum war angenehm groß, und wir hatten einen netten Abend mit etlichen MS-Tips. Bei der anschließenden Afterparty in einem benachbarten italienischen Restaurant trafen wir noch zwei Rückkehrer vom „Hanauer Doppel“, die uns berichteten, dass nur 58 Gäste da gewesen seien und es sehr fraglich ist, ob unter diesen Umständen das bisher regelmäßig am 2. Okt. stattfindende Special fortgeführt werden könne.

Am Donnerstag, dem Tag der Deutschen Einheit und gesetzlichem Feiertag, tanzte kein einziger Club, so dass wir uns ausruhten, unsere kleine Wanderung unternahmen und nachmittags noch das örtliche Museum der Stadt Alzenau im Schlösschen von Michelbach besuchten, das die Geschichte der Gegend in interessanter neuartiger Weise darstellt und interpretiert. Auch fanden wir Gelegenheit, noch genügend Äpfel für unsere heimische Apfelmusproduktion zu sammeln, die auf den ortigen Streuobstwiesen massenhaftig herumliegen.

Wir verließen unsere gemütliche Ferienwohnung dann wieder am Samstag, denn die Woche war um, und zu Hause warteten auch wieder neue Unternehmungen und Tanzereignisse.

Es ist immer recht interessant, einmal über den Tellerrand zu schauen, fremde Clubs zu besuchen und fremde Caller zu hören, um zu sehen, wie es dort zugeht und wie andere Verantwortliche ihre Clubprobleme anpacken. Zu sagen ist grundsätzlich, dass die meisten Probleme in den Clubs ähnlich sind, und so hat man auch immer wieder Gesprächsstoff.

Wir haben ja oft schon andere Clubs besucht, und es ist eigentlich nie langweilig, immer wieder ergeben sich neue Aspekte. Auf diese Weise haben wir unsere Friendship Books gut gefüllt, und unsere Sammlung von Friendship Dangles schauen wir uns immer wieder gern an, da viele Erinnerungen an sie geknüpft sind. Wir können nur empfehlen, solch einen Urlaub einmal im Hinblick auf Clubbesuche zu planen.

Hartmut